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Erlebt und bewegt

In dieser Rubrik veröffentlichen wir regelmässig Beiträge aus der gleichnamigen Rubrik der Zeitschrift factum - mit freundlicher Genehmigung.

MIR IST WOHL IN DEM HERRN

Es ist frühmorgens im Einkaufszentrum. Ich stehe an der Kasse. Vor mir unterhält sich die Kassiererin mit einer Frau. Sie scheinen sich zu kennen. Die Kundin erzählt von ihren Kindern. Ich höre nur mit einem Ohr hin, bis ein kleiner Wortfetzen zu mir durchdringt. Die Kassiererin sagt in Bezug auf die Kinder der Bekannten: «Ja, ja, Hauptsache, sie sind glücklich!» Die Kundin entgegnet: «Glücklich? Nein, sie müssen nicht immer glücklich sein ...» Man spürt am Tonfall ihrer Stimme, dass das vermeintliche Glück der Kinder wohl auf Kosten anderer ging. Nachdenklich sinne ich über diese Antwort nach.
Wollen wir nicht alle glücklich sein und streben nach Zufriedenheit? Aber was ist Glück? Wann und wo empfinden wir Glück? Was muss man tun, um wirklich glücklich zu sein? Glück empfinden wir sehr individuell. Der eine ist überglücklich, wenn er einen Tag ohne Schmerzen ist – der andere freut sich über ein Schnäppchen. Wikipedia definiert Glück wie folgt «... glücklich kann man zudem eine Person nennen, der es anhaltend gut geht, weil ihr Leben viel von dem enthält, was sie als wichtig erachtet.» Was erachten wir denn als wichtig?
Ich denke, Gott definiert Glück ganz anders als wir. Unser vermeintliches Wohlergehen oder unser Streben danach dient nicht immer unserem geistlichen Wachstum. Auch Krisen können eine tiefe Bedeutung haben. Josef ging 13 Jahre lang durch bittere Leidenszeiten. Er wurde verkauft, unschuldig bestraft, landete im Kerker und wurde dort scheinbar vergessen – bis nach 22 Jahren das Wunder der Familienzusammenführung entstehen durfte. War er in dieser Zeit immer «glücklich»?
Oder Noomi, die nach dem Verlust ihres Mannes und ihrer Söhne wieder in die Heimat kam – war sie glücklich? Oder David: Bevor er König wurde, war er viele Jahre auf der Flucht. Später als König sogar vor seinem eigenen Sohn Absalom. Ob er da immer glücklich war?
Verfolgen wir die Geschichten der genannten Personen in der Bibel bis zu ihrem Ende, so entdecken wir Folgendes: Josef wurde nach dem Pharao der zweitmächtigste Mann Ägyptens und rettete die Welt aus einer schlimmen Hungersnot. Noomi wurde durch ihren Enkel Obed gesegnet und erscheint im Stammbaum Jesu, und David war ein Mann nach Gottes Herzen (Apg. 13,22).
Gottes höheren, guten Plan mit uns können wir hier auf dieser Welt weder einsehen noch immer verstehen. Seine Wege mit uns durchkreuzen nicht selten unsere Glückserwartungen. Wir sind von Herzen dankbar für alle guten Tage, die der Herr uns schenkt, und freuen uns darüber. Aber wir wissen: Auch wenn das Leben nicht so verläuft, wie wir es uns wünschen, ist das in Seinem Sinn und Plan. Es wird Tage geben, wo wir einfach unsere Pflicht erfüllen, ohne überschwängliche Freude. An denen wir lernen dürfen, dass es nicht immer um unser Glück geht und wir auch einmal auf etwas verzichten müssen. Es kann auch einmal wichtiger sein, etwas zu tun, was uns gegen den Strich geht, ohne zu fragen, wie wir uns dabei fühlen. Unser Leben gehört nicht uns selbst.
Das Leben von Horatio Spafford hat mich sehr bewegt. Er, der zuerst seinen einzigen Sohn und kurz darauf seine vier Töchter durch ein Schiffsunglück verlor, schrieb ein Lied, das von einer grossen Gottergebenheit zeugt: «Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt, ob Stürme auch drohen von fern, mein Herze im Glauben doch allezeit singt: Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn.»
Es gibt ein «verborgenes Glück», das über alles menschliche Denken hinaus in Jesus seine Erfüllung findet. Trotz aller Ungereimtheiten des Lebens schenkt Gott uns einen inneren Frieden und eine Zuversicht, die uns niemand nehmen kann. Das wahrhaftige Glück hat nur in Jesus Christus Bestand. Oder, wie es jemand formuliert hat: «Das grösste Glück besteht wohl darin, in Jesus Christus etwas zu finden, was einem noch wichtiger wird als das eigene Glück.»

Es gibt ein «verborgenes Glück», das über alles menschliche Denken hinaus seine Erfüllung in Jesus findet.

 

Mirjam Dentler, Dentler’s Christliche Bühne «Die Boten», www.dieboten.ch